Das Stadtachter Rennen und warum wir gar nicht gewinnen konnten

Das Stadtachter Rennen und warum wir gar nicht gewinnen konnten

Mit Spannung wurde das legendäre Stadtachter-Rennen erstmals vor großem Publikum bei der internationalen Ruderregatta ausgetragen.Die Aufregung aber auch Vorfreude war groß, geradezu greifbar. Die Jungs (denn wann wird ein Mann ein Mann?) waren fast in Topform. Unser neuer Vorsitzender Jörn war dementsprechend nervös. Schließlich stand auch die Frage im Raum, welcher Verein den stärkeren Vorsitzenden hat. Ralf Seifriedt, Oberhaupt des Möllner Vereins, saß ebenfalls am Riemen.

Zwischen den internationalen U23-Rudergrößen im Kurpark fielen unsere Jungs kaum auf. Höchstens ein paar graue Schläfen verrieten beim genaueren Hinsehen, dass hier nicht nur Nachwuchsathleten am Start waren. Joost war als erfahrener ehemaliger Leistungssportler tiefenentspannt. Jörn hingegen blickte nervös auf den düsteren See. Wind und Regenschauer versprachen kein einfaches Rennen. Wobei – leicht konnte es ohnehin nicht werden…

Es wurde Zeit, nur noch wenige Minuten und das Boot sollte ins Wasser. Es legte sich eine ganz besondere Stimmung über die Mannschaft des RRC. Anfangs wurde noch rumgealbert, nun hielt man inne. Man stand da, schluckte kurz oder hatte plötzlich eine Fliege im Auge. Es wurde stiller.Hier standen neun Jungs. Die Mannschaft war komplett. Und doch fehlte einer. Einer, der fast immer im Stadtachter seinen Platz an Riemen hatte. Einer, für den das Stadtachter Rennen ein Pflichttermin war. Nils steckte seinen Ruderkameraden schwarze Trauerschleifen an die Einteiler. Sie stellten sich zusammen zur Rennbesprechung auf . Die Hände gingen in die Mitte, und neun tiefe Stimmen riefen: „ Für Kai! „

Natürlich sollte es ein Sieg werden. Wer will denn schließlich nicht gegen die Möllner gewinnen? Es ging um Ruhm und Ehre – und das ist bekanntlich besser als jede Medaille. Es wurde kein Sieg,eine knappe Bootslänge wären die Möllner schneller über der Ziellinie. Die Gegner waren mit dem Startschuss praktisch verschwunden – das können wir nicht schönreden. Nun könnte man darüber diskutieren, dass die Möllner jünger und fitter waren. Sie haben bestimmt mehr Eisen gefressen im Winter. Oder täglich die Kette auf dem Ergo zum Glühen gebracht.

Die Beine unserer Jungs waren im Ziel schwer wie Blei. Aber wie viele Kilos wiegen eigentlich schwere Herzen? Der Sieg sollte für Kai sein. Und Kai würde jetzt wahrscheinlich sein typisch charmantes Lächeln aufsetzen und sagen: „Männer, wie soll das denn ohne mich auch klappen?”

Vielleicht werden die Herzen im nächsten Jahr ein kleines bisschen leichter sein. Vielleicht werden aber auch im kommenden Winter Gewichte gestemmt oder die Kette der Ergos zum Glühen gebracht. Und dann holen unsere Jungs den Pokal zurück. Für Kai.