Herzlich Willkommen zur neuen Reihe: Vorstellung unserer Vereinshelden🦸🏻♀️🎖️
Ach, so ein Trainerleben muss ja echt entspannt sein…Sind ja schließlich nur 2 Stunden Arbeit am Tag… Denkste!! Begleiten wir unseren Trainer Christian Wärmer doch einfach mal durch ein paar ganz normale Tage eines Regattajahres.
Frühling
Gesucht wird Deutschlands schnellste Klasse. Dies ist Wettkampf auf dem Ergometer in den umliegenden Schulen für alle 5. Klassen. Gleichzeitig soll er Interesse am Rudern wecken. Nach Abstimmung mit den Lehrern fährt Christian 4 Ergometer aus dem Club in eine Sporthalle, baut eine Leinwand und sein Equipment auf, damit die Kinder ihren Wettkampf auf der Leinwand verfolgen können für richtiges Wettkampffeeling. Jede Klasse bekommt eine eigene Einweisung und von 8 Uhr bis 13:15 Uhr lassen mehrere Klassen die Ketten glühen. Das Ganze wiederholt sich mehrere Tage, bis alle 5.Klässler von der Gemeinschaftsschule und Lauenburgischen Gelehrtenschule gerudert sind.
Pünktlich um 14 Uhr ist der 39 Jährige dann am RRC und erwartet die Junioren. Diese haben auf Grund ihrer unterschiedlichen Schulzeiten an einigen Tagen quasi Gleitzeit. Am Dienstag und Donnerstag werden im Kraftraum Gewichte gestemmt. Hier steht Christian beratend zur Seite oder eher prüfend, denn schummeln ist nicht erlaubt. Plus anschließendem Dehnen dauern die Einheiten hier gerne fast 3 Stunden (Ja, wir Breitensportler dehnen viiiel zu kurz. )
Nebenbei gibt es Einiges an administrativen Aufgaben: Die ersten Regatta Meldungen müssen raus, Vereine werden zwecks Unterbringung kontaktiert, die Website sowie App werden mit Terminen aktualisiert, Trainingslager, Ferienpass und Vereinspreis wollen organisiert werden, die Webcam möchte auch wieder Aufmerksamkeit und es wird nach einer Alternative zum Fahrtenbuch gesucht…Außerdem sollen 2 Boote bei der nächsten Veranstaltung getauft werden. Die bestellten Aufkleber sind da und in Sisyphusarbeit werden diese mittels Wasserwaage und Co an das Boot geklebt. Letztes Jahr wurde eins der älteren Motorboote lackiert. In diesem Jahr bekommt das neue Motorboot den letzten Feinschliff. Tatsächlich muss so ein Motorboot vor der Jungfernfahrt einen speziellen Lack bekommen, wir nennen ihn in Ruderersprache gerne „Anti-Gammel“.
4-5 x die Woche begleitet Christian die Sportler aufs Wasser. Im Frühjahr werden die Boote fachkundig auf die Athleten angepasst. Dollenabstand und Co sind nicht ganz unwichtig für Rudern auf hohem Niveau. Während die Junioren schon unter der Dusche stehen, fährt er dann regelmäßig nach Kiel zur großen Trainersitzung oder nach Lübeck zum Rudersportforum, um die Interessen des RRC zu vertreten. Immer auf dem neuesten Stand bleiben gehört zum Job dazu. In Trainersitzungen mit unseren aktuellen Kindertrainern Heike, Melanie und Tobias wird dann besprochen, was wir im Verein umgesetzt wollen. Wie gut, dass sich im Kinderbereich nach langem Suchen 3 Ehrenamtler die Trainingszeiten aufteilen und Christian ihnen die Meldungen für die Regatten und Koordination abnimmt. Die Wochenenden sind stets gefüllt mit Training oder Trainingswochenenden in Lübeck. Werft spaßeshalber gerne mal einen Blick in den Terminkalender in der App. Ja, puh, nicht ganz ohne…




Sommer
Regattazeit! Nehmen wir einfach mal die Kinder und Junioren Regatta im Mai in Lübeck als Beispiel. Freitag ab 14 Uhr bereitet Christian das Verladen vor. Nach der Trainingseinheit verladen Kinder, Junioren und Senioren ihre Boote auf dem Anhänger. Sind die Gurte richtig angebracht? Sind alle Skulls und Rollsitze eingepackt? Stimmt die Gewichtsverteilung auf dem Anhänger? Samstag früh um 6:30 Uhr geht es dann also mit den Sportlern nach Lübeck. Die ersten Rennen starten um 9 Uhr, aber zuerst muss aufgeriggert werden. Für jedes Rennen gibt es eine Vor- und Nachbesprechung. Parallel werden Videos und Fotos gemacht, da die Pressesprecherin ihm ständig im Nacken sitzt. Parallel dazu wiederum muss er den Überblick über die Rennen behalten, schnell Mal ein Boot mit ins Wasser tragen, eine Unterlegscheibe aus dem Hut zaubern oder auch die gesamte emotionale Palette der Sportler auffangen. Und bei einer Langstreckenregatta wie zum Beispiel im Herbst in Mölln gibt es mehrmals direkte Rennbetreuung von Fahrrad aus.( Sehr beliebtes Workout für die Trainer 🚴🏻♀️) Gegen 18 Uhr ist der erste Regattatag zu Ende. Sonntag geht es ein bisschen später los, schließlich sind die Boote bereits aufgeriggert. Aber mit Ausschlafen hat das noch lange nichts zu tun. Abfahrt ist dieses Mal um 8 Uhr. Same Procedure as yesterday… Meistens ist der 2.Regatta Tag ein wenig kürzer. Während die Junioren abriggern und verladen, schreibt Christian Ergebnisse auf und plant die kommende Woche.
Die Besonderheit an Lübeck? Die traumhafte Kulisse? Auch! Nein, es ist der angenehm kurze Fahrtweg! Die kommenden Regatten finden in Bremen, Leipzig, Köln oder Hamburg statt. Hier kommen noch nach dem langen Regattatag viele Stunden auf der Autobahn hinzu, die Christian alleine übernimmt, da nur er den Bootstransport durchführen kann bzw.darf.
Die Arbeit hört nicht auf: Jeden Mittwoch Vormittag lernen 8 Rehabilitanten der Ameos Klinik rudern. Fachkundige Anleitung ist von Nöten, um so viele Ruderneulinge zu betreuen.
Nicht die einzige Kooperation, die wir vom RRC betreuen: Das Sextaner Rudern der Lauenburgischen Gelehrtenschule wird ebenfalls von Christian über 6 Wochen lang unterstützt. Und wenn es für die erfahrenen Ruderer richtig gut läuft, dann geht es für alle zusammen zum Bundesentscheid „Jugend trainiert für Olympia“ nach Berlin.
Im Hochsommer ist im letzten Jahr ein weiteres Projekt hinzugekommen: Das Coastal Rowing. Auch hier begleitet er seine Schützlinge, denn das ist für Alle erstmal Neuland. Wie gut, dass Christian mal sagte ” Hätte auch nicht gedacht,dass mir das am Meer so viel Spaß macht.” Während die Junioren also eine kurze Sommerpause genießen, steht er im Neoprenanzug im Meer und hilft beim Start der Spezialboote.




Herbst
Für unsere Sportler geht es weiter mit den Regatten. Es wird ein kleines bisschen entspannter und man ist nicht mehr jedes Wochenende in ganz Deutschland unterwegs. Friedrichstadt ist ja schließlich fast um die Ecke, oder!? Die Herbstferien stehen auch schon vor der Tür. Für die Junioren steht die Förderwoche in der Ruderakademie an. Diese findet übrigens ebenso in den Osterferien statt. Hier rudern dann Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein und viele Trainer die sogenannten Projektboote. Diese starten dann als Vierer bei den Deutschen Meisterschaften. Lange Tage mit Training, Videoauswertung, Gespräche im Team und mit den Athleten stehen an.
Mit den Herbstferien beginnt auch das Wintertraining im Verein. Die Hallenzeiten müssen vorab mit der Stadt, Ruderakademie und Schule koordiniert werden Es gibt Einweisungen in den Kraftraum und die Challenges ( Womens Challenge, Alster-Ergo Cup) werden besprochen. Hier steht Christian stets mit Rat und Tat zur Seite.

Winter
Winterschlaf für Trainer und Co? Keineswegs. Das Training geht wie gewohnt auf dem See, Ergometer Kraftraum oder auch in der Schwimmhalle weiter. 7 Trainingseinheiten pro Woche gilt es zu begleiten, aber die Nebenarbeiten hören nicht auf. Die Motorboote werden aus dem Wasser geholt, die Motoren zur Wartung nach Schwerin gebracht.
Zusammen mit unserer Bootswartin wurden letztes Jahr alle! Skulls lackiert. (Ja, ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, wer so etwas eigentlich übernimmt…) Die Ergos werden geölt und im Kraftraum Halterung für die Gymnastikbälle angebracht, die Sauna Ecke bekommt einen Vorhang, ein Leihboot wird aus Wetzlaf abgeholt, Reparaturen an den Rennbooten werden durchgeführt….
Während so mancher in seinem Job am Freitag gerne früher Feierabend macht, ist hier genau das Gegenteil der Fall. Freitag Abend =Techniktraining auf dem Ergometer. Hier können alle Mitglieder Tipps für ein effektives Training bekommen oder auch das Indoor Rowing Abzeichen machen. Für die Junioren stehen ebenfalls Wettkämpfe auf dem Ergometer an. Und dann überrumpeln die Sportler den Trainer auch noch mit einem spontanen Skilanglauf-Lager. Wie gut, dass Christian selbst ganz gerne Ski fährt.
Kein Winter ohne Winterlauf! Wer hat das Design der Plakate entworfen? Die Banner bestellt? Na? Genau, auch diese Aufgaben übernimmt unser Trainer, meistens sogar gerne. 😉



Und zwischendurch?
Werden die vielen Fragen beantwortet…. Christian, wie komme ich bei SAMS rein? Christian, muss ich den Clubraum reservieren? Christian, kann ich den Anhänger haben? Christian, wo ist die Coxbox? Christian, Ergo 5 braucht neue Batterien? Christian, wieso geht das Fahrtenbuch nicht mehr? Christian, wann sind wir nochmal in der Schwimmhalle? Christian, meldest Du uns für Friedrichstadt an? Christian, wieso sind die Schuhe in der Farchau so klein? Christian, wann kommt das neue Boot? Christian, wann machen wir das Tischkickertunier? Christian, kannst Du kurz das Boot mit raustragen? Christian, kann ich nicht doch schon in den Ergoraum? Christian,kannst Du mir kurz etwas aus der Werkstatt geben? Christian,wie funktioniert das schwarze Brett?
Na, findet ihr Euch wieder?
Der aufmerksame Leser hat jetzt vielleicht bemerkt, dass das Trainerleben viele, viele Stunden beinhaltet. In diesem Job ist man im Verein gerne schnell der Mann für alle Fälle. Wenn ein Trainer seine Arbeitsstunden aufschreiben würde, könnte er spätestens im August den Rest des Jahres zu Hause bleiben. Klingt verlockend, oder?
Da das Engagement auch bei uns, wie in den meisten Sportvereinen, im Ehrenamt immer weiter abnimmt, ist ein fester Trainer für uns wie eine Goldmedaille.
💙🤍 Wir, der Ratzeburger Ruderclub, sind ein international angesehener Verein mit Erfolgen auf höchstem Niveau. Diese Erfolge kommen nicht von allein, sie sind das Ergebnis von kontinuierlich professioneller Arbeit. Ohne Sieger und sportliche Helden bleibt ein Verein nicht lange groß. Nachwuchssportler werden bei uns gezielt gefördert, um den Verein langfristig erfolgreich aufzustellen. Gleichzeitig profitieren Jung und Alt von dem familiären Gemeinschaftsgefühl, wie es nur ein Verein bieten kann. Und vom Mann für Alle Fälle profitieren wohl ebenfalls fast Alle. 😎
Lieber Christian, vielen Dank für deinen großen Einsatz. Du investierst unglaublich viel Zeit und Herzblut in den Verein und deine Sportler – das ist nicht selbstverständlich.
Melanie Oldenburg
