Der Alster Ergo Cup 2025/2026

Der Alster Ergo Cup 2025/2026

Thomas, Lars, Wilken, Volker, Peter, Sebastian und ich haben wieder einmal die Kette glühen lassen. Denn es war Winter und damit war es Zeit für den Alster-Ergo-Cup.

Alster Ergo? Alter,.. Was?…

„Alter, Alster?“, dachte ich zuerst, „Alster trinke ich ja manchmal auch ganz gern. Das wird bestimmt witzig und gut.“ Doch leider ist mit „Alster Ergo“ nicht gemeint, dass man vor, während oder nach dem Indoorrudern ein Glas „Alster“ trinken muss. Ich meine, man darf natürlich. Aber darum geht es nicht. Es handelt sich vielmehr um eine beinharte Wettkampfserie auf dem Rudergerät. Und witzig…? Nein, witzig ist anders. Das Besondere an dieser Wettkampfserie ist aber, dass man im Gegensatz zu anderen Ergochallenges die Chance hat, sich sehr fair mit anderen Ruderer zu messen.

Das liegt an einem ganz eigenen Bewertungssystem. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin wird nämlich mit seiner Altersklasse, seinem Geschlecht und ggf. seinem Gewicht einer eigenen Bewertungskategorie zugewiesen. Die individuelle Punktevergabe orientiert sich dann nur innerhalb dieser Kategorie. Die Punkte für jeden Teilnehmer orientieren sich ausschließlich daran, wie weit der Ruderer mit seiner Leistung von dem jeweiligen offiziellen Weltrekord in seiner Gruppe entfernt lag. Je dichter er dem Weltrekord in seiner Kategorie kam, desto geringer ist seine „Abweichung“. Und der Ruderer mit der geringsten „Abweichung“ gewinnt den Block. Dieses Prinzip führt dazu, dass eine 90jährige leichtgewichtige Frau durchaus gegen einen muskelbepackten 28jährigen Profiruderer im Wettbewerb triumphieren kann. Und gerade da die Weltrekorde bei den jüngeren Startern wirklich verrückt sind, konnte man in den vergangenen Wettkämpfen durchaus beobachten, dass „die Alten“ durchaus sogar bessere Chancen haben, eine geringere Abweichung zu errudern. Vielleicht sollte der Alster Ergo Cup daher besser „Alter“ Ergo Cup heissen.

Wilken und der ewige Jungbrunnen

Die besten Chancen auf gute Punkte hat man wohl, wenn man beim Altwerden jung geblieben ist. Unser Wilken zum Beispiel ist schon über 70. Über ihn kursieren allerdings Gerüchte, dass er als Kind mit seinem Skiff mal aus Versehen in einen Jungbrunnen gefallen ist. Denn obwohl ich laut Geburtsurkunde 20 Jahre jünger bin als er, hängt er mich doch im Sommer auf dem Küchensee regelmäßig ab. Dabei trainiere ich seit Jahren nur mit dem Ziel ihn einzuholen. Ich werde wohl auch jedes Jahr etwas schneller. Das Problem mit Wilken ist nur, dass er dabei nicht wirklich langsamer wird. Die Zahl 70 in seinem Personalausweis und das Bad im Jungbrunnen, verhelfen ihm jedoch dazu, dass er bei der Punktvergabe des Alster-Ergo-Cups regelmäßig zu den absoluten Champions zählt. Er liegt immer dicht hinter dem Weltrekord in seiner Altersklasse.

Und wie hat er sich nun geschlagen?

Gleich vorweg: Wenn man sich für eine Teilnahme am Alster Ergo Cup entscheidet und jemanden sucht, mit dem man sich messen will, dann ist Wilken keine gute Wahl. Auch von Thomas und Lars kann ich in diesem Zusammenhang nur Wärmstens abraten. Diese Männer sind einfach zu stark. Das eigene Unglück ist schon vorprogrammiert. Man sollte sich besser andere Teilnehmer im Feld suchen.

Wilken hat mir schon im Herbst 2025 hinter vorgehaltener Hand zugeraunt, dass er für den Ergocup 2025/26 nichts Geringeres als den Gesamtsieg im Visier hat. Grund für seinen verhaltenen Optimismus war der Umstand, dass der Jungbrunnen noch nicht versiegt war und er 2025 in eine neue Altersklasse vorgerückt war. Die ersten Wettkämpfe konnte er für sich entscheiden. Aber je länger die Distanzen wurden, desto stärker wurden auch andere. Thomas gelang zum Beispiel im Januar über die 21,1km (ja ein Halbmarathon auf dem Ergo gehört auch zum Wettkampfprogramm) ein wahrer Husarenritt, dem die gesamte Konkurrenz und auch Wilken und seinen Jungbrunnen nichts entgegensetzen konnten. Auch bei den 6000 Metern konnten Thomas und Lars sich vorne festsetzen.

Eine gewisse Birgit Flor von der Rudergemeinschaft Angaria kam Wilken immer näher und lag gegen Ende sogar 2 Punkt vor ihm. Es wurde knapp.

Wilken ist aber nicht nur als Kind mal in den Jungbrunnen gefallen, sondern hat seit dem auch aufgrund langer Wettkampferfahrung eine große Packung Regattatricks im Regal stehen. Er rechnete sich genau aus, welche Zeit er bei den abschließenden 1000 Metern fahren musste um eine Chance auf den Sieg zu haben. Er fuhr nach Hong Kong zu seiner Tochter, lief dort jeden Tag die 20 Stockwerke des Hochhauses hinunter, um sich im Keller auf das Ergo zu setzen und anschließend die 20 Stockwerke wieder hoch. Und dann war es Anfang Februar so weit. Die Alster Ergo Challenge neigte sich dem 1000 Meter Finale zu. Wilken stieg noch ein letztes Mal ganz tief in den Jungbrunnen und tauchte nach 3:23.8 völlig fertig wieder auf. Das war natürlich behrenstark. 🐻 Aber ob das reichen würde, war ungewiss.

Leztzte Woche kam dann die Mitteilung der Wettkampfleitung. Zum ersten Mal in der 18 jährigen Geschichte des Alster Ergo Cups gab es 2 Sieger.

Und einer davon heißt: WILKEN VON BEHR!!

Glückwunsch Wilken. Jetzt ruh Dich aus und trainier nicht so viel. Ich erwarte Dich im Sommer auf dem Küchensee.

Noch eine offene Rechnung: Die Mannschaftswertung

Es gibt beim Alster-Ergo-Cup natürlich auch noch eine Mannschaftswertung. Die besten 5 einer jeden Mannschaft tragen dabei jeweils zur Mannschaftswertung bei. Die Mannschaft, die bis zum Ende der Serie im Februar am Schnellsten war, gewinnt ein brandneuens Ergometer von Concept2.

Warum wir das Ding nicht gewonnen haben? Ich sag’s mal so: An Thomas, Lars und Wilken hat es definitiv nicht gelegen…. Die haben geliefert und waren verlässlich vorne mit dabei. Bei 50 teilnehmenden Ruderclubs sind wir mit dem RRC auf den 5. Platz gerudert. Das ist nicht schlecht. Aber da geht mehr!!

Im November 2026 greifen wir wieder an

Und jetzt kommt ihr ins Spiel. Im November 2026 geht es wieder los und dann machen wir zusammen den Wilken.

Wenn ich euch jetzt versprechen würde, dass der Ergocup ein „Riesenspaß“ wird, dann wäre das natürlich glatt gelogen. Es wird natürlich auch 2026/2027 wieder eine irre Schinderei. Wenn man einmal wissen will, wo genau der innere Schweinehund die Locken hat und wie fit dieser Wilken von Behr nun eigentlich wirklich ist, dann wäre der Alster Ergo Cup eine winterliche Überlegung wert.

Im November startet man mit 1000 Metern und steigert sich dann bis zum Februar hin. Zum Schluss wartet noch der große Brocken mit den 21,1 km (Halbmarathon! Nochmal einen gezogenen Hut und Glückwunsch an Thomas). Wer diesen Halbmarathon nicht rudern will, oder sich wie Wilken aus taktischen Gründen in dem Treppenhaus eines Hong Konger Hochhauses inzwischen auf das ganz große Finale vorbereitet, der hat die Möglichkeit es abschließend nochmal über die 1000 Meter zu versuchen. Aber das muss man wirklich wollen. Ich persönlich mache da lieber die 21,1km.

Wenn ihr also nächsten Winter mitmachen wollt, dann malt euch schon einmal einen kleinen Behr 🐻 oder einen Jungbrunnen in den Kalender. Im November gibt’ s dann keine Ausreden mehr. 2027 holen wir uns das Ding!!

Jörn Harder

https://ruderei.de/produkt/18-alster-ergo-cup