Der Winterlauf und seine Geschichte

Der Winterlauf und seine Geschichte

Wie ist er denn eigentlich entstanden, unser beliebter Winterlauf?

Lingolf von Lingelsheim gehört zu den Urgesteinen unseres Vereins und hat bisher fast sein ganzes Leben dort verbracht in verschiedenen Positionen wie Sportler, Vorstand, Bootswart, Sportwart, Regattaleiter und Trainer.1959 saß er über die Ruderriege das erste Mal im Einer und seitdem engagiert er sich auf so vielfältige Weise im RRC und für den Rudersport. Schon als junger Ruderer war Lingolf sehr erfolgreich und war im Zweier Deutscher Jugendmeister sowie im Achter U23 Eichkranzsieger. Das Highlight seiner Karriere als Trainer war bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, als sein Ruderer Peter-Michael Kolbe die Silbermedaille im Einer holte.

Aber zurück zum Winterlauf, der anfangs übrigens Crosslauf hieß.

Lingolf nahm in den 70er Jahren mit seiner Trainingsgruppe im Dezember gerne am Nikolauslauf in Neumünster teil. Dabei kam der Gedanke, dass der RRC doch eigentlich selbst einen Wettkampf im Winter ausrichten könnten, denn in Ratzeburg haben wir eine wunderschöne Laufstrecke direkt vor der Tür. Aber gar nicht so einfach so eine Veranstaltung in einer Zeit ohne Transponder, gedruckten Startnummern und Werbung über Social Media, auf die Beine zu stellen. „Die Startkarten in 5 verschiedenen Farben wurden mit Name des Läufers und Verein per Hand von Renate Gerks und mir beschriftet. Die Zeit wurde klassisch mit Stoppuhren gemessen und die Jahrgänge alle 10 Minuten gestartet. Die langsamsten Starter zuerst und die schnellsten Jahrgänge zum Schluss, damit es nur wenige Überholungen gab. Im Ziel gab es 5 Einlaufschneisen mit den passenden Farben und je 3 Helfern. Einer nahm die Startkarte ab, einer stoppte die Zeit und der Dritten notierte sie. Stephan Semmler hat die Zielzeit dann ausgerechnet.“ erklärt Lingolf. Vorbild war dabei der Ratzeburger Volkslauf, den Ernst Panknin organisierte. Er schenkte uns auch jedes Jahr seine restlichen Startkarten.

Auch damals gab es schon einen Kinderlauf, an dem die jungen Ruderer immer schon zahlreich vertreten waren. Früher wie heute funktioniert so eine Veranstaltung nur mit vielen ehrenamtliche Helfern. Und so mancher unterstützt die Veranstaltung schon über Jahrzehnte. Frank König ist beispielsweise seit 2019 die “Wendemarke” beim Kinderlauf. Regine König hat schon vor 20 Jahren beim Catering geholfen. Seit 2010 hat sie den Lauf mit organisiert,5 Jahre dann sogar alleine und dann mit Olaf Schadowsky und jetzt mit Jörn Harder an der Seite. An dieser Stelle ein großer Dank an das gesamte tolle Helferteam!

Bei 50 Winterläufen macht man auch wettertechnisch Einiges mit. In den 80er Jahren war die Eisdecke des Sees so fest, dass der Start auf dem See durchgeführt werden konnte und die Läufer erst am Aqua Siwa wieder an Land gingen. So ein Lauf bleibt auf jeden Fall in Erinnerung!

Und das Finisher Geschenk von heute-die knallblaue recycelte Mütze- gab es damals so auch noch nicht. Im Ziel bekamen die Läufer eine Apfelsine, die erst von der Familie Hass und später von der Obstkiste gesponsert wurde.

In den 80er Jahren gab es einen einmaligen Versuch einen Waldmarathon bis nach Gudow und zurück zu etablieren. Der Aufwand an Genehmigungen und Helfern war aber sehr groß und die meisten Marathonläufer kannten nur den Straßenlauf. Der kräftezehrende Waldboden brachte schlechte Zeiten und somit blieb es bei einem einmaligen Versuch.

Lingolf war immer mittendrin in „seinem“ Lauf. 25 Jahre hat er den Lauf geleitet und den Startschuss für das Kinderrennen gegeben. Fast 20 Jahre ist er die 7,3 km selbst gelaufen und hat dann mit schweren Beinen die Siegerehrung der Jüngsten vorgenommen. Nun zum Jubiläumslauf will er es nochmal wissen und trainiert seit Wochen. „Ich habe den Küchensee in meinem Leben wohl schon tausende Male umrundet, aber beim 50. Winterlauf wird der Zieleinlauf schon etwas ganz Besonderes sein ” so Lingolf.

Lieber Lingolf, Deine Vereinskameraden schätzen nicht nur dein Fachwissen über den Rudersport, sondern auch Deine ruhige, humorvolle und stets freundliche Art. Wenn Jemand eine Frage hat, heißt es oft: Da musst Du mal zu Lingolf gehen! Immer Hilfsbereit und dem Verein verbunden, sei es als Trainer vor Ort, beim Ruder-Wochenende mit Carla oder Regattahelfer. Du beantwortest ganz nebenbei sämtliche Fragen oder erinnerst uns beim Ergofahren ans Weiteratmen. Du hat ein besonders großes Herzvolumen, und das liegt nicht nur an den vielen Trainingseinheiten, die Du im Laufe deines Sportler-Lebens hinter Dich gebracht hat.

Also liebe Mitglieder, Ruderer und Sportler: Lauft mit! Feuert an! Trefft Euch auf ein Heißgetränk am Club!

Melanie Oldenburg